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Weltladen in Farbe: das neue Gestaltungskonzept

Im Rahmen des Projekts »Miteinander FAIR in die Zukunft – die Initiative für Weltläden« wurde seit 2014 intensiv an einem neuen Gestaltungskonzept für Weltläden gearbeitet. Die GEPA ließ die Architektin Wibke Schaeffer und den Designer Moritz Zielke vom Planungsbüro wiederverwandt aus Köln ein neues Farb- und Möblierungskonzept entwickeln, das sowohl kundenorientiert als auch mitarbeiterfreundlich ausgestaltet sein sollte.

Das Atelier analysierte die neuen Weltladen-Farben in Bezug auf ihre Wirkung. Schon seit Goethe ist nachgewiesen, dass, egal welchem Kulturkreis ein Mensch entstammt, die Wirkung der Primärfarben (Rot, Gelb, Blau) sowie bestimmte Farbkombinatio- nen (z. B. Schwarz/ Gelb) gleich ausfällt. So steigert Rot beispiels- weise nachweislich den Blutdruck und erweckt beim Gegenüber das Gefühl von Kompetenz, Blau hemmt den Appetit, beruhigt und führt emotional tiefer als Gelb, welches die Farbe der Kommunika- tion und des Verstandes ist.

Sind die Primärfarben Rot, Gelb und Blau in der Werbung oder in der Gestaltung von Logos oder Gegenständen kräftig und klar, so vermitteln sie oft den Eindruck von preisgüns- tiger Ware. Beispiele finden sich allerorts, wie IKEA, Bauhaus, Lidl, Netto, etc..

Je ruhiger und gedeckter eine Farbe ist, umso hochwertiger werden die damit gestalteten Produkte und zugehörigen Firmen wahrgenommen. Ein dezentes, zurückhaltendes visuelles Auftreten, das sich nicht in den Vordergrund drängt, steht demnach für Qualität statt für Quantität.

Ausgehend von diesen Untersuchungen entschied sich wiederver- wandt, den Weltläden ein neues Farbkonzept zu empfehlen, das die angebotenen Produkte in ihrer Präsentation unterstützt und neue Zielgruppen wie auch bisherige Kunden anspricht und »abholt«. Die Farben sind dezent und bewirken so ein bodenstän- diges Gefühl der Qualität und handwerklichen Hochwertigkeit.

Diese fünf Wandfarben – ein zartes Lindgrün, ein freundliches Altrosé, ein helles Gelb, ein sanftes Sandgraubeige und ein zurückhaltendes Hellblau – treten vor den Produkten zurück und erscheinen wie ein harmonischer »Ton«, der im Hintergrund klingt. So können selbst alle fünf Farben in einem kleinen Raum eine besonders positive Wirkung erzielen, ohne beim Kunden direkt aufzufallen.

Flores:

Dieses ins erdig gehende Altrosé ist klassischer Weise die Farbe des Mitgefühls. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit werden mit dieser sehr edlen Farbe verbunden, was den fair gehandelten Produkten, die vor einer in Flores gestrichenen Wand stehen, entspricht und zu Gute kommt. Besonders Kunsthandwerksprodukte wirken vor dieser Farbe umso authentischer, qualitativ hochwertiger und unterstützen den Gedanken des Fairen Handels mehr denn je.

Gavotte:

Das zarte Lindgrün vermittelt in Bruchteilen von Sekunden beim Kunden ein Gefühl der Natürlichkeit und Harmonie. Grün als Sinnbild der Regeneration in der Natur, somit des Ausgleiches und der Gesundheit assoziert das ursprünglich Gute, Feine und sogar Hoffnungsvolle. Gavotte wirkt besonders positiv im Lebensmittel- und Kassenbereich.

Mosso:

Sandbeige, wie Kieselsteine am Strand, hebt vor allem durch seine Schlichtheit und Anpassungsfähigkeit die Produkte in den Vordergrund. Diese Farbe wird assoziiert mit Beständigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Gerade farbige Produkte wie die im Kunsthandwerk heben sich vor diesem Ton besonders harmonisch ab und wirken um ein vielfaches hochwertiger als vor einer weißen Wand.

Bourrée:

Dieser sehr helle Gelbton vermittelt vor allem Freundlichkeit, Kommunikation, Fröhlichkeit und hilft in eher weniger lichtdurch- fluteten Weltläden, eine helle und sonnige Stimmung zu erzeugen. Trotz seiner Zurückhaltung wirkt dieser Ton appetitanregend, weshalb er besonders im Lebensmittelbereich äußerst positiv den Verkauf von Schokolade, Kaffee, Tee etc. unterstützt.

Arioso:

Ein heller, angenehmer Blauton, der besonders Räumen, die zu erdig oder dunkel wirken, etwas mehr Frische und Kühle schenkt. Blau eignet sich nicht im Lebensmittelbereich, wirkt jedoch hinter der Kasse oder im Bereich des Kunsthandwerkes wie ein klarer Sommertag.

Wichtig war dem nachhaltig arbeitenden Planungsbüro, dass die Wandfarben ökologisch und besonders verträglich für Mensch und Natur sind. Atmet man bei herkömmlichen Farben durchaus unerwünschte Inhaltsstoffe ein und bestehen sie zum größten Teil aus Kunststoffen, die sich wie eine Folie über die Wand ziehen, so sind diese »neuen« Wandfarben auf Silikat- statt auf Kunststoffba- sis. Diese Silikate machen sie widerstandsfähiger als Dispersions- farben und verleihen den Wänden optisch mehr Tiefe. Denn Mineralfarben »verändern« ihre Lichtbrechung auf der Wand mit dem Tageslauf (sofern Tageslicht die Wände erreichen sollte). Sie verkieseln mit ihrem Untergrund und lassen sich in Maßen sogar mit einem leicht feuchten Tuch von groben Verschmutzungen befreien. Und: sie lassen die Wand atmen, was ebenfalls einer der größten Vorteile von ökologischen Wandfarben ist.

Silikatfarben sind seit 1878 im Profibereich im Einsatz und im Denkmalschutz in Deutschland schon seit Jahren vorgeschrieben, werden also in Kirchen und Denkmälern als Standart benutzt und sind daher vielfach bewährt.

 

Wer nun Lust bekommen haben sollte, seinen Weltladen mit diesen fünf Farben zu streichen, findet mehr Informationen unter www.studiow.green oder lässt sich telefonisch kostenfrei von den beiden Planern beraten.

In den nächsten Folgen dieser Textreihe wird es um zwei weitere Säulen der Ladengestaltung gehen: Licht und Möblierung.