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Kakao des Friedens

Bio-Kakao von kolumbianischer Friedensgemeinde San José de Apartadó

Seit 2008 bezieht die GEPA unter schwierigsten Bedingungen Bio-Kakao von der Friedensgemeinde San José de Apartadó im Norden Kolumbiens. Erfahren Sie mehr über den Hintergrund unseres Handelspartners.

Eine Friedensgemeinde in Kolumbien? Wie mutig müssen Menschen in einem von Gewalt geprägten Land wie Kolumbien sein, eine Friedensgemeinde zu sein. Diese Fragen gehen mir immer wieder durch den Kopf, als ich die Berichte über unseren Handelspartner lese. Die Gemeinde wurde für ihre mutige und richtungsweisende Arbeit 2007 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Internationale Auszeichnungen und die damit verbundene Aufmerksamkeit außerhalb Kolumbiens sind sehr wichtig in einer solchen Situation. Sie bieten etwas Schutz. Geschützt werden mussten die beiden Vertreter der Friedensgemeinde übrigens auch auf dem Weg von San José de Apartadó nach Aachen. Deshalb wurden sie von europäischen Freunden begleitet. Kurz nach ihrer Rückkehr aus Deutschland wurden wieder zwei Mitglieder der Friedensgemeinde von Bewaffneten umgebracht. Eine wirkliche Sicherheit gibt es in Kolumbien nicht. Was muss dies für ein Gefühl der ständigen Unsicherheit sein? Die Friedensgemeinde San José de Apartadó hat eine Webseite, auf der sie immer über die aktuellen Ereignisse in ihrem Dorf informiert (link siehe unten).

In dem Dorf San José de Apartadó leben etwa 1.350 Menschen. Es befindet sich im Norden Kolumbiens im Departamento Antioquia im Grenzgebiet zu Panama. Die Einwohner fassten am 27. März 1997 auf Vorschlag ihres Bischofs den Entschluss und erklärten sich zu einem neutralen Dorf. Sie dulden keine Waffen und keine Gewalt in ihrem Dorf, egal von welcher Seite.

Die Menschen von San José de Apartadó berufen sich auf internationales Völkerrecht wie die Genfer Konvention. Diese regelt unter anderem den Schutz von Zivilisten in Kriegen und die Behandlung von Kriegsgefangenen. So genießen die Zivilbevölkerung und einzelne Zivilpersonen allgemeinen Schutz vor den von den Kampfhandlungen ausgehenden Gefahren. In der Konvention wird von den Krieg führenden Parteien verlangt, dass sie die zivile Bevölkerung aus der Umgebung militärischer Ziele zu entfernen haben. Das Beispiel dieser ersten Friedensgemeinde hat inzwischen Schule gemacht und es gibt heute etwa 50 Friedensdörfer in ganz Kolumbien, die auf ihrem Gebiet konsequent keine Gewalt zulassen.

Zeugen dieser Erklärung zum Friedensdorf 1997 waren im Fall von San José de Apartadó Vertreter verschiedener kolumbianischer Nicht-Regierungsorganisationen und ein Vertreter des Europäischen Parlaments. Alle waren dafür in das entlegene Dorf gereist, um die Bewohner bei diesem richtungsweisenden Schritt zu unterstützen. Bis heute werden die Friedensgemeinden in Kolumbien von internationalen Aktivisten unterstützt, die in den Gemeinden leben oder Seminare veranstalten und so zum Schutz der dort lebenden Menschen beitragen.

Die klare Absage an die Gewalt bleibt für die Menschen in den Friedensdörfern nicht ohne Folgen. So kam es allein in San José de Apartadó seit 1997 zu mehr als 560 Menschenrechtsverletzungen wie Entführungen, Vergewaltigungen und Vertreibungen vom eigenen Land. Mindestens 172 Menschen bezahlten ihr Friedensengagement mit dem Leben.

Die Botschaft der Friedensdörfer ist klar: Es gibt keinerlei Unterstützung von oder Kooperation mit bewaffneten Konflikt-Parteien. Nur friedlicher, gewaltfreier Widerstand wird akzeptiert. Es gibt keine Bewaffneten in der Friedensgemeinde, egal von welcher Seite. Weder der Anbau noch der Handel oder die Eigennutzung von Drogen sind in Friedensdörfern zugelassen. Aber gemeinsames solidarisches Arbeiten, Transparenz und basisdemokratische Entscheidungsstrukturen innerhalb der Gemeinschaft sind besonders wichtig. Doch die Mitglieder der Friedensgemeinde achten auch sehr darauf, nicht nur umweltfreundlich anzubauen, sondern ebenfalls die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen und regenerative Energien einzuführen. Deshalb passt der Bio-Anbau gut in das Konzept der Gemeinden.

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Bio-Kakao für GEPA-Schokolade

Die Bauernfamilien von San José de Apartadó haben insgesamt 97 Hektar Land. Auf 37 Hektar wird Kakao angebaut, auf 32 Hektar davon bereits Bio-Kakao. Die Qualität ihres Bio-Kakaos ist sehr gut. Sie leben in einer völlig abgeschiedenen Region. Die holprigen Straßen und die schlechte Telefonverbindung erschwert die Verbindung zur Außenwelt erheblich. In ihrem Dorf gibt es aber eine Gemeinschaftsküche, in die sowohl die Schulkinder als auch die Älteren zum Essen gehen können. Außerdem gibt es in dem Friedensdorf ein Solarprojekt und der Müll wird getrennt. Es werden aber auch Workshops angeboten, um die Gewalterfahrung in Form von Theaterstücken zu verarbeiten.  
 
Da die Friedensgemeinde San José de Apartadó keinerlei Erfahrung mit dem Export von Rohwaren hatte, konnte mit unserer Unterstützung eine gute Lösung gefunden werden: Der Exporteur unseres kolumbianischen Bio-Kaffees übernimmt auch den Transport des Bio-Kakaos nach Europa. 

Wir hoffen, dass wir noch lange mit der Friedensgemeinde San José de Apartadó fair handeln können. Auf Porträts einzelner Bauern oder Bäuerinnen werden wir auch in Zukunft verzichten müssen, da dies zu gefährlich für die Einzelnen wäre. Aber so mutige Menschen haben es von ganzem Herzen verdient, dass wir sie trotzdem unterstützen.

 

 

 

Weitere Informationen zu den Friedensgemeinden im Internet:
www.aachener-friedenspreis.de 
Dort finden Sie viele gute Hintergrundinformationen zum Preisträger 2007.
www.cdpsanjose.org
Die Webseite der Friedensgemeinde San José de Apartadó informiert in Spanisch über die aktuelle Situation.