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Kokospalmen: fast die eierlegende Wollmilchsau

Kokospalmen sind traditionell sehr wichtige Nutzpflanzen in Sri Lanka. Nahezu alle Teile der Pflanze werden verwertet, Kokosprodukte sind überall im Alltag zu sehen. Die Stämme werden für den Hausbau verwendet, Palmwedel für Zäune, Palmblätter z.B. zum Flechten von Körben, die Kokosnüsse für die Herstellung von Bast oder Kokosmatten, die Schalen der Nüsse für Kunsthandwerksobjekte und natürlich auch als Brennstoff.

Kokosnussmilch wird als erfrischendes Getränk überall auf der Insel direkt aus der Nuss angeboten und das getrocknete Kokosfruchtfleisch ist in den verschiedensten Varianten als Lebensmittel erhältlich.

Auf die Felder mit Kokospalmen gibt es in Sri Lanka einen zunehmenden Nutzungsdruck: Immer mehr Flächen werden für den Hausbau oder für Gewerbeprojekte gerodet, der steigende Konsum anderer pflanzlicher Öle und die zunehmende Bedeutung der Produktion von Bio-Treibstoffen verringern die Bedeutung der Kokosindustrie im Lande, von der über 100.000 Menschen direkt abhängig sind.

Kokospalmen werden nicht nur in großen Plantagen mit mehr als 20 ha angebaut, von denen die meisten dem Staat oder kommerziellen Firmen gehören. Auch Familien der Mittelschicht haben häufig Kokosgärten mit mehreren Hektar Größe, die sie meist mit Hilfe von Kleinbauernfamilien bewirtschaften, die in den Gärten auch leben.

Außerdem gibt es noch die weit verbreiteten „Hausgärten“ mit einer Vielfalt an Nutzpflanzen für die tägliche Versorgung der dort lebenden Familien. In diesen Hausgärten stehen meist auch Kokospalmen, die zur Eigenversorgung mit Kokosprodukten und als Schattenspender für die übrigen Nutzpflanzen gehalten werden, aber auch eine kleine, sichere Geldquelle für die Familien darstellen.

Die Kokosfaser dient in diesen Häusern oft als Brennmaterial zum Kochen, die Frauen können auf dem Weg zum Markt einige Kokosnüsse verkaufen, um so Geld für den Einkauf zu haben. 

Die Erbteilung führt zu einer immer stärkeren Zergliederung des Landes in viele kleine Grundstücke, deren ausschließlich wirtschaftliche Nutzung so zunehmend schwieriger wird. Daher hat sich in Sri Lanka ein System der verschiedensten Spezialisten für alle Aufgaben gebildet, die an dem Weg einer Kokosnuss von der Palme bis hin zur Verarbeitungsanlage beteiligt sind.

Wenn es sich nicht nur um wenige Früchte für die Eigenversorgung handelt, die sich die Familien selbst von den Palmen holen, werden umherziehende Pflücker als Tagelöhner beschäftigt, die die Kokosnüsse ernten. 

Das Trennen des Kokosbastes von der Kokosnuss ist eine mühsame und für Ungeübte auch eine risikoreiche Arbeit. Daher wird diese meist von den Tagelöhnern durchgeführt, die dann tagelang nichts anderes tun, als Kokosnüsse von Bast zu trennen Eine Tagesleistung von bis zu 1.000 Nüssen ist für einen geübten Tagelöhner zu erreichen. 

Die getrennten Kokosbasthüllen werden dann an Gewerbebetriebe verkauft, die diese weiter verarbeiten z.B. zu Kokosmatten oder auch zu Formteilen in der KFZ- Industrie.

Vor der Verarbeitung in der Kokosmilchpresse werden die Nüsse bereits im Verarbeitungsbereich der Kokosmilchanlage von den Schalen getrennt, bevor sie dann zum Waschen und Verarbeiten an die Verarbeiter weitergegeben werden.

Da dieser Weg von der Palme bis hin zur Kokosnuss-Verarbeitungsanlage so traditionell von mehreren Schritten und Spezialisten geprägt ist, baut unser Handelspartner ‚Ma’s Tropical Foods’ ein Netzwerk von Zulieferern auf, um so auch den Tagelöhnern ein sicheres Einkommen und soziale Absicherung zu verschaffen. Die Situation dieser nicht fest angestellten Arbeiter ist wohl als die schwächste in dem gewachsenen System anzusehen und so verdienen sie die besondere Aufmerksamkeit des Fairen Handels. 

Darum plant ‚Ma’s Tropical Foods’ mit den Arbeitern aus den betroffenen Aufgabenbereichen die Gründung einer Kooperative, über welche die Arbeiter auch versichert wären. Im Bereich Arbeitssicherheit sind Fortbildungen geplant, denn die verschiedenen Tätigkeiten sind nicht ungefährlich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die schulische Bildung der Kinder. Auch diese möchte ‚Ma’s Tropical Foods’ unterstützen.

In der Kokosnussfabrik selbst sind seit dem Neubeginn der Produktion 14 Personen angestellt. Ziel ist es, zwanzig Festangestellten einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten, der Zugehörigkeit schafft und den Arbeitern eine wirtschaftliche Planung ermöglicht. Die Arbeiter der Fabrik von ‚Ma’s Tropical Foods’ bekommen zusätzlich zum Lohn auch Kost und Logis.

Etwa die Hälfte der Arbeiter sind vom Staat benachteiligte Tamilen, die aufgrund der politischen Situation von den Behörden schikaniert werden. So kommen z.B. Menschen ins Gefängnis, wenn sie auf der Straße ohne Papiere angetroffen werden.