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Muckefuck oder Erichs Krnung

Wussten sie, dass auch aus Löwenzahn-Wurzeln ein Kaffee-ähnliches Getränk erzeugt werden kann? Dieser »Kaffee« wurde früher in einigen Gegenden Bayerns für den Hausgebrauch hergestellt. Einer verbreiteten Verwendung stand allerdings entgegen, dass die Wurzeln der Pflanze verhältnismäßig klein sind und ziemlich tief im Boden sitzen, so dass sie sich nur schwer ausgraben ließen. Die Wurzeln wurden getrocknet, geröstet und anschließend wie Kaffeebohnen gemahlen.

Muckefuck, Malzkaffee, Gerstenkaffee, oder »Deutscher Kaffee«, um nur einige Bezeichnungen zu nennen, mit denen das kaffee-ähnliche Getränk oft liebevoll betitelt wurde.

Heute liegt Getreidekaffee wieder im Trend, da er als gesund und bekömmlich gilt. Im Gegensatz zu echtem Kaffee enthält Getreidekaffee kein Koffein.

Kaffee-Ersatzgetränke sind aber kein Phänomen der letzten zwei Jahrhunderte: Schon in Babylon und im alten Ägypten verstand man sich auf die Herstellung von Getränken aus gerösteten Körnern.

Als Friedrich der Große den Konsum von Bohnenkaffee für das einfache Volk verbot, oder während der napoleonischen Kontinentalsperre von 1806 bis 1812, musste man nach Alternativen für den beliebten Übersee-Kaffee suchen. Die Parole lautete damals: »Zichorie für Preußens Glorie!«

Der populäre Wunderheiler Arthur Lutze erfand Mitte des 19. Jahrhunderts den ersten »Gesundheits-Kaffee«, der im Wesentlichen aus Gerste bestand. Sein Produkt wurde noch bis ins 20. Jahrhundert unter dem Namen »Wittigs Gesundheits-Kaffee« hergestellt.

Während des dritten Reichs (1933–1945) entstand der Begriff Kaffee-Surrogat-Extrakt und wurde staatlich verwaltet. Diese staatliche Verwaltung bestand auch noch in den Anfängen der Bundesrepublik fort.

In der deutschen Nachkriegszeit war Bohnenkaffee Mangelware. In Gaststätten fand man daher auf der Getränkekarte auch »Deutschen Kaffee«, eine elegante Umschreibung für Ersatzkaffee.

Marktführer war damals »Lindes Kaffee-Ersatz-Mischung«, gefolgt von »Kathreiner Malzkaffee«.

1954 kam Caro-Kaffee, hergestellt aus Gerste, Malz, Zichorie und Roggen, als erstes Instant- Ersatzkaffeegetränk in Deutschland, auf den Markt und verdrängte allmählich die nicht-löslichen Varianten.

Während der Kaffeekrise in der DDR war 1976 Bohnenkaffee als Importprodukt kaum noch zu erhalten. Mit dem Kaffeemix wurde eine neue Mischkaffeesorte mit hohem Ersatzkaffeeanteil auf den Markt gebracht.

Insbesondere die Kaffeesachsen lehnten Erichs Krönung, wie der Kaffeemix bald spöttisch bezeichnet wurde, entschieden ab und empfanden den Kaffeemangel als Angriff auf ein zentrales Konsumbedürfnis und wichtigen Bestandteil der Alltagskultur.