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Kirchen werden 2021 umsatzsteuerpflichtig

Und gleich noch eine wichtige aktuelle Information zum Thema Steuer: Im kommenden Jahr werden die Kirchen erstmals umsatzsteuerpflichtig. Für viele Weltläden oder Aktionsgruppen, die keine eigene Rechtsform haben und im Rahmen einer Kirchengemeinde aktiv sind, ändert das zwar nichts an der Rechtslage, möglicherweise aber an der Aufmerksamkeit, mit der die Steuerbehörden diesen "Fairen Handel unterm Kirchendach" betrachten.

Konkret muss man zwei Fälle unterscheiden:

1. eine Aktionsgruppe, die "nur" auf Kommission bei einem Weltladen einkauft und keine Gewinnanteile behält. Diese Form des Verkaufs kann bzw. muss steuerlich als "Verkaufsstelle des Weltladens" betrachtet werden. D.h. die finanzrechtliche Verantwortung dafür liegt beim Weltladen. Er muss die Umsätze so versteuern wie jeden Verkauf an Endverbraucher. Klärungsbedürftig sind hier aber versicherungs-, ordnungs- und haftungsrechtliche Fragen, etwa bzgl. Standgenehmigung, Unfallschutz der Mitarbeiter usw.

2. Aktionsgruppen, die auf Kommission arbeiten, aber Gewinnanteile für sich bzw. für eigene Projekte behalten, sind (schon seit je her) eigenverantwortlich als Gewerbebetrieb tätig. Daß das bisher in vielen Fällen ohne Konsequenzen möglich war, hatte primär damit zu tun, daß die Kirchen nicht im Fokus der Finanzämter standen - was sich mit der Einführung der Umsatzsteuerpflicht vermutlich ändern dürfte. Der "Windschatten", den Aktionsgruppen hier bislang genossen, könnte kleiner werden. Allen solchen Gruppen sei geraten, die Sachlage mit ihrer Kirchengemeinde zu besprechen und zu klären. In den Verwaltungsstrukturen der Kirchen gibt es genügend Finanz-Fachleute, die wissen, was zu tun ist.

Anbei finden Sie eine umfangreiche Arbeitshilfe des Verbands der Diözesen Deutschlands zur Umsatzsteuerpflicht in kirchlichem Rahmen - vielleicht zu dick für die eigene Lektüre, aber für die Verwaltungsfachleute Ihrer Kirchengemeinden sicher eine gute Hilfestellung.