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Wieviel womit? Wie man den Rohertrag im Weltladen steigern kann

Wenn der Faire Handel als echte Alternative im Handel ernst genommen werden will, ist es nötig, mit dem Fairen Handel auch hier vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen. Die alleinige Umsatz- steigerung reicht da nicht aus.

Um als professioneller Weltladen als »normales«, das heißt nicht durch vergünstigte Miete oder ehrenamtliche Mitarbeiter subventi- oniertes Unternehmen bestehen zu können, muss ein ausreichen- der Rohertrag im Laden erzielen werden.

Wie aber kann man den Rohertrag in Weltläden erhöhen?

Sortimentsgestaltung:

Bei der Sortimentsgestaltung ist es wichtig, nicht nur den für die Produkte benötigten Platz im Laden zu beachten, sondern natürlich auch die Umschlagsgeschwindigkeit, das heißt wie lange benötigt man, um bestimmte Mengen der Produkte zu verkaufen.

Je niedriger der Preis, um so höher sollte die Umschlagsgeschwin- digkeit eines Produkts sein. Wenn man z. B. von den Dekoanhän- gern zu € 2,95 nur drei Stück im Jahr verkauft, sollte dieses Produkt besser ausgelistet oder eventuell nur auf speziellen Kundenwunsch hin bestellt werden. Wenn dagegen eine Hänge- matte zu € 129,- sich dreimal im Jahr verkauft, lohnt es sich, solch ein Produkt anzubieten, allerdings mit einem sehr niedrigen Warenbestand (1 – 2 Stück) – hier wird schon mit dem einmaligen Verkauf ein guter Erlös erzielt.

Im Lebensmittelsortiment sollte generell eine hohe Umschlagsge- schwindigkeit erzielt werden, um keine Produkte mit zu kurzem MHD anbieten zu müssen – aber auch hier gilt es, speziellen Kundenwünschen entgegen zu kommen. 

Mehr Verkaufsraum im Laden schaffen:

Sind alle Flächen im Laden richtig ausgelastet? Wie sieht es über den Regalen aus? Gibt es dort vielleicht Platz für Körbe oder andere große Produkte? Wie sieht es im Kassenbereich aus (sogenannter »Goldener Meter«)? Gibt es dort vielleicht Platz für einen Riegelständer oder andere Produkte, welche spontan gekauft werden könnten? 

 
Dichte an Produkte im Laden erhöhen:

Im unseren Laden sind die Regale für die Warenplatzierung da, nicht für Warendekoration (dafür benutzen wir unser Schaufenster und spezielle Dekorationstische). In den Regalen versuchen wir so viele Produkte wie möglich zu platzieren, am besten nach Produktgruppen sortiert. Kleine, günstige, gut gehende Produkte platzieren wir in Körben. 

 

Leere Regale vermeiden:

Wie sieht es aus am Tag vor der nächsten Lieferung? Gibt es Produkte, die ausgegangen sind? Wie wird in Ihrem Laden bestellt? Wir haben festgestellt, dass es bei über 1.000 verschiede- nen Produkten, welche wir das ganze Jahr über im Sortiment führen, unmöglich ist, sich nur auf das Bauchgefühl zu verlassen. Um eine durchgehende Verfügbarkeit zu erreichen, muss ein EDV-gesteuertes Warenwirtschaftssystem im Laden verwendet werden. Mit einer Excel-Auswertung, in der die verkaufte Menge und der Bestand dargestellt werden, kann effizienter bei den verschiedenen Lieferanten bestellt werden. 

 

Lagerhüter vermeiden bzw. reduziert verkaufen:

Lagerhüter wirken negativ auf dem Umsatz, nicht nur, weil sie sich nicht verkaufen, sondern weil sie Platz belegen, welcher mit anderen besser gehenden Produkten belegt werden könnte. Deshalb versuchen wir die Lagerhüter so schnell wie möglich mit einem reduzierten Preis zu verkaufen oder zumindest platzsparend im Laden vorzuhalten, bis sich ein Kunde dafür findet. 

 

Eigene Produkte kreieren:

Schon mal an einen eigenen Stadtkaffee gedacht? Oder eine eigene Stadtschokolade? Solche Produkte mit einem entsprechend attraktiven Design ziehen neue Kunden in den Laden. Da darf man auch für das eigene Design (welches auch mit Extrakosten verbunden ist) und das Etikett ein paar Cent extra aufschlagen. 

 

Einkauf auf wenige Lieferanten konzentrieren:

Wenn man sich auf wenige Lieferanten konzentriert, kann man bessere Einkaufskonditionen erzielen bzw. verhandeln. Man kann auch die Mindestbestellmengen pro Bestellung einfacher erreichen und so Verfügbarkeits-Engpässe vermeiden. 

 

Preise über den empfohlenen Verkaufspreis erhöhen:

Die empfohlenen Verkaufspreise sind, wie der Name sagt, nur »empfohlen«. Wenn man unbedingt den Rohrertrag erhöhen muss, weil z. B. der Rohertrag die Fixkosten nicht deckt, sollte man auch auf so eine Maßnahme zurückgreifen. Am Besten die 50 meistver- kauften Produkte nehmen und deren Preise jeweils um 10 oder 20 Cent erhöhen. 

 

 

Viola und Mario Martinez Oporto betreiben seit Januar 2011 den Weltladen Wuppertal. Als kleines Familienunternehmen ist der Weltladen Wuppertal einer der wenigen hauptamtlich arbeitenden Weltläden in Deutschland.
Mehr Infos unter www.weltladen-wuppertal.de